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Chagalls Ehefrau

Autor: Anastasia Nikitina

Seit frühester Kindheit an fühlte Kristii Schneider sich zur Schauspielerei hingezogen und erfreute sich daran Eltern und Freunde zu unterhalten: “Tanzen oder singen war nie ein Problem. Letztendlich entschied ich mich dazu mir ein für alle mal Klarheit zu verschaffen und herauszufinden ob das meine Bestimmung ist. Falls nicht, hätte ich mich für Journalismus entschieden. Ich habe einen Abschluss in Journalismus an der MGIMO.”

 

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Aber alles kam ganz anders als ich mitbekam, dass Aleksandr Mitta sich darauf vorbereitete einen Film über Marc Chagall zu drehen, der zu der Zeit spielte in der er zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter nach Vitebsk zurückkehrte um dort eine Kunstschule zu eröffnen, in der er Kazimir Malevich unterrichten ließ.
Kristina erschien zum Casting um für die Rolle der Bella, Chagalls Frau vorzusprechen. “Warum ich es versucht habe? Mitta ist ein genialer Regisseur und ich liebe seinen Film “Märchen einer Wanderung”. Ich war mir nicht sicher ob die Rolle zu mir passen würde aber von der ersten Minute an wusste ich dass ich die Rolle in der Tasche habe! Ich konnte meine Augen nicht vom Maestro abwenden. Wir waren auf einer Wellenlänge und nun habe ich die Rolle!”

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Kristina glaubt an lebensverändernde Zufälle und dass der Regisseur sich für sie entschied, da sich ihre und Bellas Persönlichkeit ähneln. “Wir sprechen beide 5 Sprachen, wir sind gleich alt (sie ist im Film ebenfalls 23), haben beide eine gute Ausbildung genossen, wir sind beide religiös , lieben unsere Familie, haben eine Leidenschaft für Kunst, ganz besonders das Theater und was am wichtigsten ist : wir sind beide bereit Opfer zu bringen. Ich kann mich für einen Mann opfern genauso wie Bella, welche ihr ganzes Leben Chagall widmete. Überdies sehen wir uns auch noch zu 100% ähnlich!”

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Abgesehen vom schwierigen historischen Kontext des Films – es porträtiert das Leben von Künstlern und Intellektuellen sowie die Verfolgung von Kunst und auch Künstlern während der Oktober Revolution und des Bürgerkriegs – in erster Linie ist es ein Film über Liebe. Kristina gab zu dass sie sich vor dem Dreh nicht groß mit Chagalls Werken befasst hat. “Um mich auf den Dreh vorzubereiten musste ich mich Chagalls Kunst auseinandersetzen. Ich begann seine Malereien zu lieben und das half mir sehr dabei die Zärtlichkeit in der Liebe zwischen ihm und Bella zu verstehen. Opferbereite Liebe, welche man sehr oft begegnet. Dies wollte ich der Öffentlichkeit präsentieren und sah es als eine heilige Pflicht an, die Reinheit der Liebe einer modernen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Jede Frau träumt von der großen Liebe für die es sich zu opfern lohnt.”

4 Es war nicht immer leicht für die junge Debütantin. Kristina stammt aus Österreich und so war ihr die russische Sprache sowie die Mentalität fremd. “Ich bin dem Regisseur und den Schauspielern dankbar dafür, dass sie so verständnisvoll waren und mir erlaubten die Worte so umzuändern. Dass es sich natürlich anfühlte. So ersetzte ich bspw. das russische Wort , ‘dushechka’ mit dem Ausdruck ‘mein Liebster’. Es war auch sehr schwer mit “meinem Kind” zu spielen. Aber letzten Endes konnte ich mich in die Rolle hineinversetzen und fühlte mich wie eine Mutter und reife Frau”. Kristina entpuppte sich als Multitalent. Sie sang alle Songs im Film. Einmal vergaß Leonid Bichevin (Chagall) seinen Text. “Es gab kein Zurück mehr, die Kamera lief und es gab nur 2 Möglichkeiten: Etwas zu tun oder die gesamte Szene von neuem zu drehen. Da ich mir das Skript in der Nacht vor dem Dreh bereits durchgelesen habe, stellte ich mich hinter die Kamera und flüsterte Leonid den Text vor. Die Szene war im Kasten”.

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Interessanterweise lässt sich nicht nur eine Verbindung zu Kristinas Charakter finden sonder nauch zu ihrem Partner – Leonid. Beide wurden am 7. Juli geboren und ist 4 Jahre älter older als Kristina, welches ebenfalls, der Altersunterschied zwischen Chagall und Bella war. “Deswegen mussten wir nichts spielen. Wir waren wir selbst. Oder um es anders auszudrücken, unsere Charaktere sind wie wir, nur 100 Jahre in der Vergangenheit. Es schien als würden Leonid und ich uns bereits 100 Jahre kennen und so fiel es uns nicht schwer die Liebe zu spielen .”

Doch die größte Offenbarung für Kristina war das Treffen mit Chagalls Enkeltochter Meret. Sie lud das Filmteam nach Paris ein und gab ihnen die Drehgenehmigung. Das war für den Regisseur und das Team sehr wichtig, denn ohne ihren Segen wäre der Film nicht zustande gekommen. Meret fing an Kristina “Großmutter Bella” zu nennen. “Ich war überrascht dass sie mich Großmutter nannte. Sie sprach viel mit mir obwohl sie sehr streng und nicht sonderlich gesprächig ist. Und als ich meiner ‘Enkeltochter’ ein Schlaflied sang, war dies der berührendste Moment des ganzen Treffens. Es war das selbe Lied welches ihre Großmutter ihr als kleines Kind immer vorsang. In diesem Moment geschah etwas mit mir und ich fühlte mich tatsächlich wie eine Großmutter und dass sie tatsächlich meine Enkeltochter war! Ich glaube Meret fühlte genauso… ”

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Kristina erhielt mehrere Einladungen in anderen Projekten mitzuwirken, aber der Film “Chagall-Malevich” hat ihre Wahrnehmung über das Leben so verändert, dass sie die Zeit nicht missen möchte und sich dem Ende des 20. Jahrhunderts verbunden fühlt. Wahrscheinlich weil es dort das gewisse Etwas gab was man heutzutage nicht mehr vorfindet… «Und ohne das gewohnte Kommando ‘Action!’ Aleksandr Naumovichs, ist es nach wie vor sehr schwer in den Tag zu starten – gibt Kristina zu– ”.

Was kann uns Kristina zum Studium des Journalismus, welches sie in Moskau studierte, erzählen? Das Studium an der MGIMO war ein Glücksgriff für mich! Besonders Lev Ivanovich Skvortsovs Unterricht der russischen Sprache. Er ist selbst ein Schüler Ozgoevs. Eines meiner Lieblingsfächer war ein Workshop in Business PR. Das Studium war sehr interessant. Fragen beantworten hat mir sehr viel Spaß bereitet und so war ich stets die erste, die sich meldete. Es scheint so als habe ich unentdeckte Fähigkeiten in mir von denen ich bisher nichts wusste!.. Anfangs fiel es mir als Ausländerin noch sehr schwer. Aber mir wurde stets Unterstützung zuteil, in erster Linie durch unseren Dekan Yaroslav Skvortsov – er ist die Sonne unserer Fakultät! Ich wusste immer dass ich mich stets an ihn wenden kann falls mir etwas unklar ist. Sein Lachen und seine Worte. Das ist unsere Mentalität’ gaben mir Sicherheit und ich fühlte wie mir ein Stein vom Herzen fiel und das Leben war wieder wundervoll. Ich bin sicher, dass das Studium mir sowohl im Leben als auch im Film weiterhelfen werden!”

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