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Schwerpunkte des Wiener Films

Aleksandr Mitta spricht in Österreich über Chagall und Schiele

Etwas Psychoanalyse würde nicht schaden. Um besser zu verstehen, was für ein Unbewusstes die Menschen in Sigmund Freuds Heimat dazu bringt, all ihre Sorgen und Sorgen beiseite zu schieben und heute lange Schlangen am Eingang des Wiener Kinos „Burg Kino“ vor der Vorführung russischer Filme zu bilden. Die Tage des russischen Kinos des Gosfilmofond der Russischen Föderation gingen in Österreich zu Ende.
Die UNESCO hat die Kaffeetraditionen Wiens in das immaterielle Weltkulturerbe aufgenommen. Die Traditionen des Gosfilmofond könnten wirklich behaupten, diese Liste im Rahmen der internationalen Präsentation des Filmerbes Russlands zu erweitern, die vom größten Filmdepot der Welt trotz aller Sanktionen, historischen Wendungen und alarmierenden Prognosen erfolgreich durchgeführt wird. Als das zweite Filmfestival des russischen Kinos in Wien zu Ende ging, wurde deutlich, dass der russische Film in Österreich internationale filmische Akzente gesetzt hatte. Und das waren Zeiten, in denen die Kultur die Stimmung der Menschen stärker beeinflusste als Wirtschaft und Politik.

Gosfilmofond hat das Unmögliche geschafft: in wenigen Tagen ein Jahrhundert unserer Kinogeschichte von 1914 bis 2014 abzudecken und auf der Leinwand ein Land mit drei Namen zu vereinen: das Russische Reich, die UdSSR und die Russische Föderation. In Wien ein Festival zu präsentieren, das nicht nur interessant, sondern auch volksnah ist, wenn die Anzahl der Vorführungen und ihr Niveau die Menschen nicht müde oder emotional überlastet, sondern sich ins Gedächtnis einprägt und für immer bleibt. Chronologisch umfasste der Rahmen des Wiener Programms „Neues russisches Kino und Filmschätze des Gosfilmofond of Russia“ Ereignisse vom Ersten Weltkrieg bis in unsere Tage. Mit Blick auf die Geschichte durch das Schicksal der Frau: von den Abenteuern einer jungen Frau während des Ersten Weltkriegs in einem vorrevolutionären Bild von Mikhail Martov „By Fire and Blood“; zum Film „Noch ein Jahr“ von 2014 über das Leben eines modernen Paares, Regie führte Oksana Bychkova und thematisierte ein Theaterstück „With Your Beloved Don’t Part“ von Aleksand Volodin. Tatsächlich erzählt ein in Wien gezeigter Film von Aleksandr Mitta „Chagall-Malevich“ nicht nur die Geschichte der Freundschaft zwischen zwei russischen Malern, sondern auch über die Rolle von Chagalls Frau in Beziehungen des Genies, der Gesellschaft und die Geschichte.

So, Wien, volle Säle im Kino „Burg Kino“, Vorführung von „Chagall-Malevich“, alle Plätze im Parkett sind eine Stunde vorher besetzt, der Balkon ist voll, keine Stehplätze in Wandnähe. Regisseur des Bildes Aleksandr Mitta freut sich sichtlich über solche Gesinnung. „Marc Chagall liebte seine Frau sein ganzes Leben lang“, antwortet der Regisseur auf die Bitte, zu präzisieren, wessen Rolle in seinem Film doch wichtiger sei. „Als sie eine schlimme Erkältung hatte und unerwartet über Nacht starb – im Leben, nicht in unserem Film – kam Chagall morgens zu ihrem Bett und fiel darauf – es war kein Melodrama drin – und blieb dort sechs Stunden. Als er aufstand, waren seine Haare grau … Und danach konnte er ein halbes Jahr lang nicht malen und arbeiten. Einen Mann zu spielen, der so viel Liebe verdient, der eine solche Atmosphäre in seiner Familie schafft, der wie ein treuer Begleiter, Assistent, wie eine Person ist, die ihrem Ehemann auf jede erdenkliche Weise hilft, ist eine schwierige Arbeit. In unserem Film hat Schauspielerin Kristii Shneider, die die Rolle von Chagalls Frau spielt, meiner Meinung nach die Aufgabe erfüllt… Aber ich wollte Sie auf folgenden Moment aufmerksam machen: Das Festival in Wien hat dieses Jahr eine sehr interessante Auswahl an Filmen, eine echte Bildersammlung. „Outskirts“ von Boris Vasilievich Barnis ist ein einzigartiges Werk, der Beginn des Tauwetters im Kino für eine neue Bewegung, ein Bild ohne jegliche Ideologie, das die Sprache der vollen Wahrheit spricht. Während unserer Studienzeit war Boris Barnet wirklich ein lebendiger Gott. Wir haben ihn verherrlicht. Er war ein unglaublich gutaussehender Mann, Boxer in der Vergangenheit, er hatte fünf Frauen, und diese Frauen liebten ihn so sehr, dass sie einen Club von Boris Barnets Frauen gründeten. Sie versammelten sich, diskutierten über ihn und sammelten Informationen über ihn … Er war ein unglaublich freundlicher, freundlicher Mensch, aber ein tragisches Schicksal widerfuhr ihm. 1963 beschloss „Mosfilm“, sich neu zu organisieren, und entließ Boris Barnet mangels einer besseren Antwort. Er war ziemlich jung nach unseren Vorstellungen – 62 war er damals. Und er beging Selbstmord, weil er das nicht ertragen konnte. Und zwei Jahre später blitzte sein unglaublicher Ruhm um die Welt, und wenn er lebte, würde er nur seinen Koffer mit schmutzigen Kleidern zu Hause stellen, einen neuen nehmen und um die ganze Welt reisen, da jedes Festival seine Filme sehen wollte. Und dass Wien seinen Film noch einmal zurückgebracht hat, halte ich für einen guten kulturellen Schritt des Gosfilmofond. Sowie die Vorführung von „Solaris“ von Andrey Tarkovskiy. Er war mein Kommilitone, wir haben fünf Jahre zusammen studiert. Während des Studiums waren alle gleich, aber nach dem Abschluss begann er immer höher zu klettern. Aber ich war zu Zeiten der strengen Regime in der DDR zufällig Nachbar von ihm: „Solaris“ und mein Film „Shine, Shine my Star“ wurden zu den zwei am meisten erwarteten Filmen der deutschen Jugend gekürt. Es war mir eine Freude, wieder mit ihm im selben Team zu sein. Jedem Film aus dem russischen Programm kann ich die gleiche Anerkennung zollen. Gosfilmofond hat eine großartige Sammlung zusammengetragen, ich denke, es ist unmöglich, sich ein besseres, vielfältigeres sowjetisches und russisches Kino vorzustellen. Wir sind demütig in diese Liste aufgenommen worden. Vielleicht zu Unrecht, aber darauf sind wir stolz.

P.S. Die beliebteste Frage an Aleksandr Mitta in Wien war: „Willst du jetzt einen Film über den österreichischen Maler Kilmt drehen?“ „Klimt ist berühmt ohne mich“, antwortete der Direktor. „Aber ich würde gerne einen Film über Egon Schiele machen.“

Irina Korneeva, Rossiyskaya Gazeta

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